Drei Auswirkungen der Digitalisierung, die uns nicht gefallen.

Heute geht es um drei Schattenseiten der Digitalisierung aus Sicht des einzelnen Menschen. Das Internet und die zunehmende Vernetzung verändern unser Zusammenleben, unsere Entscheidungsfindung und unser Verhalten auf enorme Art und Weise.

 

Folgende drei Dimensionen wurden durch Professoren und Forscher belegt.

1. Internetsucht bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern

Zwar wird die Online-Abhängigkeit in Deutschland bislang weder als Sucht noch als psychische Störung offiziell anerkannt. Dennoch zeigen bereits mehrere Studien, dass dieses Phanomen eine ernstzunehmende Gefahr ist. So wird Internetsucht als das Phanomen, das Internet in gesundheitsgefährdendem Ausmaß zu nutzen, definiert.

Drei Kernbereiche werden hier unterschieden: Computer-/Onlinespiele, Kommunikation (Chat, Mail, Foren etc.) und Cybersex. Die Auswirkungen einer Onlinesucht sind Verhaltensstörungen, wie beispielsweise die Vernachlässigung sozialer Kontakte und der üblichen Lebensweise. So ersetzen betroffene einen Großteil ihrer realen Welt durch die virtuelle Welt. Typische Symptome sind Agressivität, schlechte Laune, Nervosität oder Schlafstörungen. Eine aktuelle Studie im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW ergab, dass ca. jeder 8 Schüler suchtgefährdet ist. Jeder Vierte 8 bis 14-Jährige fühlt sich durch die dauerhafte Kommunikation über Chat-Dienste gestresst. Sie verbringen am Wochenende täglich ca. 3 Stunden im Netz.

Wie wirkt Internetsucht? Dahinter steckt ein Belohnungssystem. Der Hirnbotenstoff Dopamin, der für das Belohnungssystem verantwortlich ist, wird dabei verstärkt ausgeschüttet, ähnlich wie bei der Einnahme von Drogen. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass das Gehirn, anders als bei stofflichen Drogen, nicht durch eine Substanz stimuliert wird, sondern durch optische und akustische Reize, so Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ).

Der Tipp der Experten lautet hier: Beobachten Sie das Online-Verhalten Ihrer Kinder und schaffen Sie bewusst einen Offline-Tag in der Woche.

2. Multitasking? Fluch oder Segen?

Prof. Dr. Schubert von der Humboldt-Universität Berlin sagt: „In der Psychologie verstehen wir unter Multitasking, dass eine Person zwei oder mehr Aufgaben zeitüberlappend ausführt. Die Aufgaben müssen dabei unabhängige Ziele haben.“ Relativ unproblematisch sei es bei peripheren Prozessen, d.h. wenn wir Dinge mit unterschiedlichen Sinnen wahrnehmen, da dadurch Informationen in unterschiedlichen Arealen des Gehirns verarbeitet werden. Output kann hier auf mehreren Kanälen erfolgen, z.B. können wir laufen und gleichzeitig sprechen. Entscheidungen und Problemlösungen allerdings benötigen ungeteilte Aufmerksamkeit. Psychologische Experimente zeigen hier klar: Überlappen sich Entscheidungsprozesse, verlängert sich die Bearbeitungszeit oder die Fehlerquote steigt. Zudem wurde nachgewiesen, dass Multitasking Stress in uns auslöst, d.h. das Hormon Cortisol im Körper steigt. Laut Forbes Magazine ist Multitasking genauso schlimm für den IQ wie Marihuana. 

Fazit: Multitasking hat negative Auswirkungen auf Konzentration und Ergebnis. Ein Tipp an dieser Stelle ist die Pomodoro-Strategie, welche empfielt, den Tag in je ca. Minuten-Blocks einzuteilen - 25 Min. arbeiten und 5 Min. Pause. So arbeite man mit höherer Effizienz.

3. Empathieverlust: Realität oder doch nur der Eindruck von Skeptikern?

Der Autor des Buches "Cyberkrank" - Prof. Dr. Spitzer - gilt in Deutschland als einer der bekanntesten Kritiker, wenn es um die Digitalisierung unseres Lebens geht. Er stellt in seinem Buch anhand zahlreicher internationaler Studien eine klare Verbindung zwischen „Bildschirmnutzung“ und Depression her. Ein Mechanismus der modernen Welt sei es neueren Studien zufolge, reale Sozialkontakte zu verdrängen. Ausgeprägte Sozialkontakte sind jedoch einer der stärksten Schutzmechanismen gegen Stress, der wiederum ein wesentliches Risiko für das Auftreten von Depression darstellt.

 

Wie sehr denkt Ihr ersetzen unsere virtuellen Kontakte unsere realen? Wie viel Prozent machen virtuelle „Gespräche“ aus? Bzw. leiden nicht auch unsere realen Beziehungen zum Teil, wenn wir beim Essen ständig auf unser Handy schauen, weil eine virtuelle „Beziehung“ gerade interessanter sein könnte. 

 

Darüber dass das Wort „Smombie“ - eine Neologismus aus Smartphone und Zombie - letztes Jahr zum Wort des Jahres gewählt wurde, muss ich fast ein bisschen schmunzeln. :)

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