NEW WORK - DER MENSCH IM MITTELPUNKT.

Vor einiger Zeit (08.11.16) war ich zu Gast bei einem sehr spannenden XING Event rund um das Thema "New Work - Der Mensch im Mittelpunkt“. Die Münchener Design Offices in den Highlight Towers lieferten die perfekten Räumlichkeiten für die Vorträge der ausgewählten Key-Note-Speaker und Experten sowie um sich zu vernetzen, zu diskutieren und die „menschlichen Beziehungen in den Mittelpunkt“ zu rücken. In diesem Blogbeitrag habe ich die wichtigsten Aussagen der analogen XING New Work Session nochmal aufgegriffen und um ein paar Fragestellungen und Aussagen ergänzt.

Charismatisch eröffnete Johannes Woll (Entrepreneur Social Events und XING Embassador) die Veranstaltung mit einem Zitat: „Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ (Wilhelm von Humboldt, 1767-1835). Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, Menschen auch unabhängig vom Netz zusammenzubringen - Orte zu schaffen, an denen Menschen analog zusammenarbeiten können. Was steht in Zukunft im Vordergrund? Human Ressources - der Mensch als Kostenfaktor und Leistungserbringer - oder Human Relations - der Mensch mit all seinen Beziehungen und Vernetzungen? In der flexiblen vernetzten Arbeitswelt ist auch laut Veranstalter XING ein analoger Ort bzw. Kontakt sehr bedeutungsvoll, weshalb zahlreiche XING Offline Events sowie der XING New Work Award neben dem virtuellen Netzwerk ins Leben gerufen wurden.

Doch was ist am Ende die Hauptzutat für Erfolg? Ist es Wachstum? - "Nein, es sind Veränderungsbereitschaft und Wandel", sagt Johannes F. Woll. Ein Freund gab mir hierzu einen treffenden Vergleich: „Was bedeutet grenzenloses Wachstum im Körper? - Krebs.“ - so ist es auch in Unternehmen. Grenzenloses Wachstum und reine Profitgier vergiftet ein Unternehmen und verhindert bzw. verlangsamt das Wachstum „gesunder Zellen“. 

MICHAEL O. SCHMUTZER - THE SPIRIT OF COWORKING.

Wie gestaltet sich unsere neue Arbeitswelt nun physisch? Diese Frage stellte sich Michael Schutzer zusammen mit seinem Design Offices-Team und mehreren Investoren. Vor Jahren noch dachte die Immobilienbranche, dass durch flexible Arbeitsformen und Homeoffices weniger Büroflächen benötigt werden. Doch sinkt die Leerstandsquote der Büroimmobilien in Deutschland seit 2008 kontinuierlich nach unten. Dadurch wird klar. Wir brauchen Orte um flexibel und agil zusammenarbeiten zu können. Die Sharing Economy ist auch in der Büroimmobilienbranche angekommen. Was prägt unsere Büros z.T. noch heute? "Arbeitsstättenverordnungen, aus den 90er Jahren, die auf Bildschirme mit 40 cm Tiefe ausgelegt sind.“, sagt Herr Schmutzer. Doch sind wir da nicht längst darüber hinweg? Tablets und Co erlauben uns auch unsere Arbeitsstätten radikal anders zu gestalten. Klare Statements aus der Key Note waren:

  1. Arbeit darf nicht mehr nach Arbeit aussehen.
  2. Digital wird analog: Menschen kommen vor allem um sich zu treffen. Die Stillarbeit kann auch im Homeoffice oder Zug etc. erledigt werden.
  3. Kreativität entsteht nicht im Raum, sondern im Zwischenraum - Free your Mind. 

THOMAS SATTELBERGER - WIE WOLLEN WIR IN ZUKUNFT ARBEITEN?

Thomas Sattelberger, ein selbst ernannter „Unruheständler“ ist Autor, Manager und Politiker. Seine Laufbahn ist gezeichnet durch Stationen in den obersten Etagen einiger deutscher Weltkonzerne. U.a. war er Leiter Education & Management Development der Daimler-Benz Aerospace AG, Mitglied des Bereichsvorstands Airline der Deutschen Lufthansa AG, Personalvorstand der Continental AG und Personalvorstand der Deutschen Telekom AG. Seit 1. September 2016 ist er Direktkandidat der FDP für den Deutschen Bundestag für München-Süd. 

Was prägt die Arbeit der Zukunft?

Diese Frage treibt Thomas Sattelberger um und er äußert sich in wissenschaftlich fundierter Schärfe. „Arbeit der Zukunft ist Innovation.“, das steht fest. "Deutsche Manager sind wenig inspirierend & führungskompetent, jedoch fit im Fach und bei Effizienz.“, stellen allerdings die „Global Workforce Study“ (GWS) und „Global Talent Management & Rewards Study“ (TM&R) fest. Danach gibt es von den Mitarbeitern Bestnoten für Deutschlands Manager hinsichtlich Fachkompetenz und die Steigerung des Unternehmenserfolgs. Auch die Kostenkontrolle wird ihnen von den Mitarbeitern deutlich gesehen. Hier sind wir im EMEA-Vergleich 14 Prozentpunkte und im weltweiten Vergleich zehn Prozentpunkte besser. Hinsichtlich Führungskompetenz allerdings schneiden die Deutschen erheblich schlechter ab als die Führungskräfte der EMEA-Region oder weltweit. Darüber hinaus fällt es den Deutschen auch erheblich schwerer ihre Mitarbeiter zu motivieren und für Visionen zu begeistern. 

 

Kurzer Zwischenbeitrag (Miriam Nagler :)):

An dieser Stelle hake ich aus Social Collaboration-Sicht das erste mal ein. Ist es nicht so, dass Blogger außerhalb Unternehmen Folgendes beweisen: Je mehr Reichweite, je mehr offene Diskussion und je mehr Feedback ich für mein Thema erhalte und schaffe, desto erfolgreicher bin ich? Grundlage ist natürlich, dass die Qualität der Aussage stimmen muss. Was bringt es Unternehmen Social Media in der Außenwirkung zu nutzen? Hier zeigt z. B. eine Kampagne der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) mit dem #weilwirdichlieben sehr eindrucksvoll, wie positiv sich Kampagnen auf das Image sowie die Neukundenakquise auswirken können.

Was würde also passieren, wenn wir auch unsere Mitarbeiter - unsere Multiplikatoren gegenüber dem Kunden - auf dem internen Social-Media-Weg über Hierarchiestufen hinweg authentisch erreichen? So stellt eine 2016 erschienene Studie zum Thema „Social Collaboration“ einen signifikanten Zusammenhang zwischen Social Collaboration Reifegrad und Arbeitseffizienz her. Eine provokante Frage hierzu könnte lauten: „Wer ist in Zukunft der Leader? Der, der viel Diskussion um sein Thema schafft oder der, der „in den oberen Etagen“ sitzt?“ Eines steht allerdings fest: Je mehr die Mitarbeiter und Führungskräfte hierarchieübergreifend über ein Thema, wie zum Beispiel eine Strategie oder eine Vision, offen diskutieren, desto mehr verankert sich diese in den Köpfen sowie der Kultur. Dies treibt letztendlich die Umsetzung der Strategie und damit den Erfolg. Das heißt nicht, dass persönliche Kommunikation ersetzt wird, doch wird sie im n:n-Bereich stark multipliziert. 

Zurück zu Thomas Sattelbergers Vortrag: 

Die Qualität der Führung und Arbeitskultur ist in Deutschland unterdurchschnittlich. Im Vergleich zu Schweden und OECD liegen Deutschland und Österreich deutlich zurück was das abrufen von Kompetenzen der Mitarbeiter betrifft. Heute empfinden nur 39% der Männer und 35% der Frauen ihr Führungsverhalten als kooperativ. 1/3 sagt Zweck heiligt die Mittel und zeigt somit die authoritäre Seite. Gleichzeitig klagen in Deutschland 53% über Erschöpfung und Müdigkeit durch Restrukturierungen. In Schweden dagegen sind über 9 Jahre länger beschwerdefrei (ca. 67 Jahre zu ca. 57 Jahren in Deutschland) (Prof. Dr. Badura). 

 

Auch wirft Herr Sattelberger auf, dass 70% der Führungskräfte nicht mehr hinter den heutigen Führungskonzepten stehen. Dazu schreibt das Haufe Agilitätsbarometer: „Jeder 3. Mitarbeiter rebelliert gegen den Chef und setzt sich über Entscheidungen hinweg, um langwierige Abstimmungsprozesse zu vermeiden (35%) oder da er der Annahme ist, Kunden und Markt besser zu kennen (33%). 

Über zahlreiche Beispiele führt der Vortrag hin zu den Zutaten einer wahren Transformation:

  1. Drop your tools
  2. Experimientiere - Probiere wie mit Lego-Steinen
  3. Erfinde Dich neu - Rekonfiguriere Dich

Dies sind laut Sattelberger die Heilmittel, die uns in die digitale Zukunft führen. Reichen diese interessanten Punkte aus? Oder geht es nicht im Zeitalter der Digitalisierung noch mehr um Vernetzung und Beziehungen untereinander. Human Relations anstelle von Human Ressource-Management.

Im Buch Silicon Valley von Christopher Keese wird die zukünftige Hauptaufgabe von von Führung durch folgende Punkte beschrieben:

  1. Betreiben Sie Netzmanagement.
  2. Stellen Sie bewusst Verknüpfungen her.
  3. Organisieren Sie Austausch. 
  4. Nehmen Sie sich selbst zurück.

Professor Dr. Kruse aus der Gehirnforschung belegte dies ebenso. Er sagte: Sobald Sie den Menschen die Möglichkeit geben sich grenzenlos zu vernetzen und freien Zugriff auf Informationen gewähren („full access to everything what happens“), findet das System bzw. die Schwarmintelligenz selbst zur Lösung. Wir müssen nicht mehr zur Lösung „hinführen“. 

 

Thomas Sattelberger fasst zu guter Letzt sechs Trampelpfade der Transformation in Unternehmen zusammen:

  1. Greenfield: Gründen uns soziale Innovation in die entstehende Unternehmens-DNA integrieren
  2. „Reinfräsen“ innovationsfördernder Kulturinsel in die alte Arbeitskultur: Social Labs und Experimentierfelder für „New Work"
  3. Kannibalisierung: Eigene Innovations-Territorien bzw. ExperimentierOrganisationen abgegrenzt von alter Organisations- & Steuerungslogik (Ein Beispiel hierfür ist die neue Marke BMWi - eine eigenständige Geschäftseinheit.)
  4. Auf-/Abspaltung aus alter Unternehmensstrukur heraus oder Diversifikation unter einer Beteiligungsholding
  5. Auf- und Ausbau kreativer Ökologien um den Nukleus (Firma, Hochschule, industrielles Cluster…) herum
  6. „Digitale Freiheits-Wirtschaftszone"

Oliver Fischer - innovationen und wissensarbeit.

Zu guter Letzt sprach Oliver Fischer - Leiter Agile Center der Fiducia GAD: Welche Auswirkungen hat eine kooperativere Art der Zusammenarbeit auf die Innovationskraft und die Wissensarbeit in Unternehmen? Was brauchen wir für die Innovationsarbeit?

 

Es sind 3 Dinge:

  1. Vorgehen: kundenzentriertes und iteratives Vorgehen.
  2. Umgebung: Kultur der Kooperation und des Vertrauens und inspirierende Räumlichkeiten.
  3. Menschen: (das wichtigste Glied) interdisziplinäre Teams aus Menschen mit T-förmigen Skills und empathischer Natur

Oliver Fischer stellte heraus, dass es im Vorgehen extrem wichtig sei, validiert zu lernen und mit Hilfe von Iterationen kontinuierlich voranzuschreiten.

Gleichartige Zyklen, unterschiedliche Ausprägungen, abhängig vom Fortschritt - dies seien die „köstlichen Zutaten“. 

Der Prozess sieht wie folgt aus: 

1- Problem verstehen, 

2- Lösungen finden

3- Lösungen bauen

Zum Abschluss des Abends gab es eine Podiumsdiskussion bei der nochmals alle Referenten Rede und Antwort standen 😃.

Vielen Dank den Organisatoren für dieses spannende Event. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0